symbild1.gif (76547 Byte) Bach-Symposium Frankfurt (Oder) – Wroclaw, 05. bis 08. März 2009

»Kultur- und Musiktransfer im 18. Jahrhundert – Das Beispiel
C. P. E. Bach in musikkultureller Vernetzung Polen – Deutschland – Frankreich«


War in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts vom »großen Bach« die Rede, dann war außer Johann Sebastian sehr häufig auch dessen zweitgeborener Sohn Carl Philipp Emanuel gemeint. Das nimmt nicht wunder, war doch der „Berliner" resp. »Hamburger Bach« ein europaweit bekannter Komponist, dessen kompositorisches Oeuvre von geradezu enzyklopädischer Breite Zeitgenossen wie Haydn und Mozart, aber auch nachgeborene Komponistengenerationen maßgeblich beeinflusst hat. Um sich als Komponist im Musikleben des 18. Jahrhunderts behaupten zu können, bedurfte es auch der Anwendung komplexer distributiver Formen wie Verlag, Selbstverlag und Pränumeration, einer gesteigerten Mobilität, aber auch stilistischer Assimilationsprozesse. C. P. E. Bach  beherrschte diese Strategien vorzüglich. Das Verbreitungs- gebiet seiner Musik erstreckte sich über ganz Europa. Wie Bachsche Musikalien zuverlässig den Ort ihrer Bestimmung erreichten, welchen Stellenwert sein Name in der zeitgenössischen Tages- und Musikpresse hatte, welche seiner Werke favorisiert waren, diesen und vielen anderen Fragen wollen mit Bezug auf die nationalen Schwerpunkte Polen, Frankreich und Deutschland Musikforscher aus den genannten Ländern nachgehen. Im Ergebnis  des Symposiums werden wir wissen, warum der zweite Bachsohn Polonaisen in seinem Schaffen bevorzugt hat oder ob es eine Bach-Pflege in Breslau gab. Bachs Aussage, dass »die frantzösischen Clavier-Sachen [...] allezeit eine gute Schule für Clavier-Spieler gewesen sind« (Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen, 1753) verdient hinterfragt zu werden. Welche Bedeutung besitzt die zwischen 1861 und 1872 erschienene und von Aristide und Louise Farrenc herausgegebene Klavieranthologie Le Trésor des pianistes, die zahlreiche Bachiana enthält, für die Geschichte der Klaviermusik? Auch die umfangreiche Überlieferung des Bachschen Oeuvres in  europäischen Bibliotheken, u.a. in Wroclaw und Paris, stellt einen maßgeblichen Fokus der Musikforschung dar, ganz zu schweigen von den noch wissenschaftlich zu erhellenden Zentren der C. P. E. Bach- Rezeption in Deutschland im Zeitalter der Aufklärung.

In Vorträgen und Referaten werden annähernd zwanzig Wissenschaftler diesen spannenden
Fragestellungen nachgehen.


Gesamtprogramm

Donnerstag, 5. März 2009
Frankfurt (Oder) Museum Viadrina

bis 14.00 Uhr Anreise der Wissenschaftler Organisationsbüro Museum Viadrina

15.00 Uhr Musikalische Eröffnung (Orgel)
Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788)
Gique aus Suite e-Moll, Wq 62, 12
Hans Stein
Fantasie (Monogramm) für Orgel nach einem Thema von B. Gesius

15.45 Uhr Einführung in die Thematik des Symposiums: Prof. Dr. Hans-Günter Ottenberg

16.10 Uhr Clavichord-Recital auf dem restaurierten Clavichord von 1748 aus der Reka-Sammlung
Aus »Gdanska Tabulatura Organowa« aus dem Jahr 1591
Nr. 17 Phantasia octavi toni in »G«

Jaguet de la Guerre (17. Jhd.)
Aus Suite in »d« Prelude-Sarabande-Gigue

Aus der Sammlung des Klosters Stary Sacz von 1768
Aria- Aria Amorosa-Parthia Andante (Nr. 96, 97, 98)

Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788)
Fantasie fis-Moll, Wq 76 (1787)
Solist: Armin Thalheim

Konzerthalle »Carl Philipp Emanuel Bach« 19.30 Uhr    
Festkonzert zur Eröffnung des Bach-Symposiums


Carl Maria von Weber (1786-1826):
Ouvertüre zur Oper »Euryanthe«    

Richard Strauss(1864-1949):
»Ein Heldenleben« Tondichtung für großes Orchester op. 40    

Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788):
Berliner Sinfonie C-Dur Wq. 174, Allegro assai, Andante, Allegro

Maki Ishii(1936-2003):
»Mono-Prism« für japanische Trommeln und Orchester    

Waseda Symphony Orchestra Tokyo
Solovioline: Marina Yasuda (Ms.)
Solisten: Taiko-Trommler
Dirigent: Kazufumi Yamashita

Freitag, 6. März 2009, Frankfurt (Oder)
Museum Viadrina
Wissenschaftliche Referate


08.30-08.45 Uhr Begrüßung

08.45-09.15 Uhr Dr. Dorothea Schröder (Hamburg) Abseits der musikalischen Zentren: C. P. E. Bach-Rezeption zwischen Teufelsmoor und Elbmündung
09.15-09.45 Uhr Dr. Tobias Schwinger (Berlin) Neues zur Rezeption der Werke C. P. E. Bachs in Berlin unter Berücksichtigung der Quellen des Archivs der Sing-Akademie
09.45-10.15 Uhr Dr. Szymon Zdislaw Paczkowski (Warschau) Die Polonaise in Berlin um 1750
10.15-10.45 Uhr Dr. Uwe Wolf (Leipzig)Die Überlieferung der Musik C. P. E. Bachs in und durch Herrnhut

10.45-11.00 Uhr     Pause

11.00-11.30 Uhr Dr. Barbara Wiermann (Leipzig)Der Musikaliensammler Johann Heinrich Grave
11.30-12.00 Uhr Dr. Stephan Hörner (München)Zur Überlieferung und Rezeption des Werkes C. P. E. Bachs in bayerischen Klöstern
12.00-12.30 Uhr Dr. Ulrich Leisinger (Salzburg)Für »alle christlichen Religionsverwandten« - Die Rezeption von C. P. E. Bachs Oratorien an den südlichen und östlichen Rändern des deutschen Sprachraums im 18. Jahrhundert

12.30-13.30 Uhr Pause

13.30-14.00 Uhr Dr. Wolfram Ensslin (Leipzig) Formen der Selbstrezeption. C. P. E. Bachs Umarbeitungen zahlreicher Sololieder zu Chören
14.00-14.30 Uhr Dr. Christine Blanken (Leipzig) Aspekte der Werk-Überlieferung am Beispiel der Frühfassung des Magnificat Wq 215: Eine frühe, nach dem Autograph genommene Abschrift Berliner Provenienz in Breslau.
14.30-15.00 Uhr Dr. Alina Madry (Posen)Stileinflüsse C. P. E. Bachs auf die polnische Klaviermusik im späten 18. und 19. Jahrhundert

15.00-15.15 Uhr Pause

15.15-15.45 Uhr Prof. Dr. Jean Gribenski (Lyon) Zur Rezeption von C. P. E. Bachs Musik in Frankreich im 18. Jahrhundert [in frz. Sprache]
15.45-16.15 Uhr Dr. Peter Wollny (Leipzig) Anmerkungen zur Rezeption französischer Tastenmusik im Schaffen C. P. E. Bachs
16.15-16.45 Uhr Prof. Dr. Arnfried Edler (Hannover) Anton Bemetzrieders Sicht auf die zeitgenössische (Klavier-)Musik

ca. 17.00 Uhr Abreise Wissenschaftler und Interessenten nach Wroclaw

Eisenhüttenstadt/Nikolaikirche OT Fürstenberg (O.)
19.00 Uhr Musikalische Soiree


Johann Gottlieb Janitsch (1708- um 1763)
Sinfonia B-Dur für Streichorchester

Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788)
Sinfonia h-Moll Wq 182,5

Carl Philipp Emanuel Bach
Konzert für Violoncello und Orchester A-Dur Wq 172

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Suite für Violoncello solo C-Dur BWV 1009

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Serenade G-Dur (Eine kleine Nachtmusik) KV 525

Jan Vogler, Violoncello
Kammerorchester Leopoldinum Wroc?aw
Dirigent: Andrzej Kosendiak

Sonnabend, 7. März 2009, Wroclaw
Treff vor Hotel Tumski


09.30-13.30 Uhr Stadtführung (einschließlich Mittagessen)

Oratorium Marianum der Universität Wroclaw
Wissenschaftliche Vorträge


14.00-14.30 Uhr Musikalische Eröffnung/Grußworte
14.30-15.15 Uhr Prof. Dr. Maria Zduniak (Breslau) Musikpflege in Breslau in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
15.15-16.00 Uhr Prof. Dr. Klaus Hortschansky (Münster) Wer waren C. P. E. Bachs schlesische Pränumeranten?
16.00-16.45 Uhr Prof. Dr. Christoph Wolff (Boston/Leipzig) C. P. E. Bachs unveröffentlichte späte Liedersammlung
16.45-17.00 Uhr Pause
17.00-17.45 Uhr Prof. Dr. Marc Vignal (Paris) Zur Herausgabe der C. P. E. Bachschen Klaviermusik durch Aristide Farrenc im Kontext
der Bachschen (J. S.) Wiederentdeckung in Frankreich im 19. Jahrhundert
17.45-18.30 Uhr Dr. Thomas Jäger (München) Die Bibliothek der alten Viadrina und ihre Verlegung nach Breslau

Aula der Universität Wroclaw
19.30 Uhr Kammerkonzert


Johann Gottlieb Janitsch (1708- um 1763)
Sinfonia B-Dur für Streichorchester

Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788)
Sinfonia h-Moll Wq 182,5

Carl Philipp Emanuel Bach
Konzert für Violoncello und Orchester A-Dur Wq 172

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Suite für Violoncello solo C-Dur BWV 1009

Franz Xaver Richter (1709-1789)
Sinfonia G-Dur

Jan Vogler, Violoncello
Kammerorchester Leopoldinum Wroc?aw
Dirigent: Andrzej Kosendiak

22.00 Uhr Empfang für Künstler und Tagungsteilnehmer/Ehrengäste (Bachgesellschaft Wroclaw)

Sonntag, 8. März 2009
Wroclaw vormittags; Rückreise nach Frankfurt (Oder)

17.00 Uhr Konzerthalle »Carl Philipp Emanuel Bach«
Abschlusskonzert Musikfesttage an der Oder
Grandiose Chorsinfonik

Hermann Suter: Le Laudi di San Francesco d’Assisi (Cantico delle creature) op. 25;
Oratorium für Sopran, Alt, Tenor, Bass, Chor, Kinderchor, Orgel und Orchester
Romelia Lichtenstein, Sopran / Britta Schwarz, Alt
Clemens Bieber, Tenor / Raimund Nolte, Bass
Jugendchor, Knabenchor und Großer Chor der Singakademie Frankfurt (Oder)
Sinfonieorchester der Pommerschen Philharmonie Bydgoszcz
Dirigent: Rudolf Tiersch

Veranstalter: Musikgesellschaft C.Ph.E. Bach Frankfurt (O) e.V. mit Unterstützung Messe und Veranstaltungs GmbH Frankfurt(O),
Städtisches Museum Eisenhüttenstadt, Museum Viadrina Frankfurt (Oder), Musikwissenschaftliches Seminar der Universität Wroclaw,
Bachgesellschaft Wroclaw und Musikologisches Forum Wroclaw sowie Musikwissenschaftliches Institut der Technischen Universität Dresden
Weitere Informationen: www.musikfesttage.de