Orgelkonzert in der Nikolaikirche zu Fürstenberg/Oder
Samstag, 13. November 2004, 17.00 Uhr


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»Gloria in excelsis deo«

»Ehre sei Gott in der Höhe«: eine tiefe Religiosität durchzieht die Werke dieses Konzertes, angefangen von englischer und deutscher Barockmusik über die französische Romantik bis hin zur klassischen Moderne. Weithin Unbekanntes, mindestens in hiesigen Landen, steht neben Kompositionen von Johann Sebastian Bach, César Franck und Jehan Alain. Eine Entdeckung ist Robert Cowper. Über diesen englischen Meister weiß man wenig, fast alle seine Werke sind verschollen. Doch sein zauberhaftes Gloria zeigt, daß die englische Musiktradition nicht erst seit Händel besteht. Chorschulen gab und gibt es an den meisten Kirchen und Kathedralen des Landes, Inspiration für Komponisten aller Zeiten. Balfour Gardiners »Evening Hymn« ist hierfür ein Beispiel und nicht nur für das Gespür stilsicherer Klangwirkung. Jeffrey Burgons »Nunc Dimittis« klingt entrückt, dem Himmel gleich, eins mit Gott und ist absichtlich an Alains »Litanies« angefügt, ein Orgelwerk von ekstatischer Wirkung: »Ein Gebet ist keine Klage, sondern ein Tornado...eine Art von Besessenheit, die die Ohren der Menschen und auch Gottes Ohren erfüllen muß« (J. Alain). Ausgelöst durch den Tod seiner Schwester reflektiert »Litanies« Alains Trauma und Gottessehnsucht.
Die französische Musik hat eigene Stile geschaffen, und das bruchlos bis in heutige Zeit. Stilwandlungen in der sakralen Musik, Kehrt- und Ab- und Umwendungen bis hin in das Umschlagen in das Gegenteil hat es dort, so wie in deutschen Landen, ausgelöst durch die Orgelbewegung samt neobarocker Rückwendung, Streit zwischen Cecilianern und Bewahrern der Kirchenmusik, Erneuerern wie Hugo Distler, der Fluch zweier vom Zaun gebrochener Weltkriege, mit all seinen auch für die Musikentwicklung verheerenden Auswirkungen, so nicht gegeben. Ein stetiges Ausprobieren, Wachsen und Gedeihen zeichnet die französische Musik aus. Große Kathedralen mit hervorragenden Orgeln taten ein Übriges dazu. Messiaen, Duruflé, Poulenc, Alain, Franck und all die vielen anderen, so auch Gabriel Fauré preisten den Schöpfer in typischer Weise, ob schlicht, oder mit Anklängen an die Gregorianik, ausdrucksvoll, aber immer melodiös, beseelt, gläubig...

Programm:

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
Pièce d'Orgue BWV 572

               Hans Leo Hassler (1564-1612)
               Cantate Domino (Psalm 96, 1-3)
                    Singet dem Herrn ein neues Lied;
                    Singet dem Herrn alle Welt!
                    Singet dem Herrn und lobet seinen Namen;
                    Verkündet von Tag zu Tag sein Heil!
                    Erzählet unter den Heiden seine Ehre,
                    unter allen Völkern seine Wunder

               Robert Cowper (1474-ca. 1540)
               Gloria in excelsis Deo

                    Ehre sei Gott in der Höhe,
                    und auf Erden Friede den Menschen,
                    welche guten Willens sind.

Old English Organ Music for Manuals:
Anonymus (um 1400)

Felix Namque

Maurice Greene (1695 – 1755)
Diaposon Movement

John Alcock (1715 – 1806)
Voluntary in D

                Maurice Duruflé (1902-1986)
                aus Quatre Motets sur des thèmes gregoriens:
                Tota pulchra es, Maria
                     Du bist von vollkommener Schönheit, Maria,
                     und ohne Sünde.
                     Dein Gewand ist weiß wie der Schnee
                     Und dein Antlitz der Sonne gleich.
                     Du Ehre Jerusalems, du Freude Israels,
                     Du Würdenträgerin unseres Volkes!

                Francis Poulenc (1899-1963)

                Ave, verum corpus
                     Sei gegrüßt, wahrer Leib,
                     geboren von der Jungfrau Maria.
                     Du hast wahrhaft gelitten und wurdest
                     für die Menschheit am Kreuz geopfert.

César Franck (1822 – 1890)
Orgelchoral a-Moll
                Gabriel Fauré (1845-1924)
                Salve Regina op. 67,1
                     Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit,
                     unser Leben, unsre Wonne und unsre Hoffnung, sei gegrüßt!
                     Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas;
                     zu Dir seufzen wir trauernd und weinend
                     in diesem Tal der Tränen.
                     Wohlan denn, unsre Fürsprecherin,
                     wende Deine barmherzigen Augen uns zu,
                     und nach diesem Elend zeige uns Jesus,
                     die gebenedeite Frucht Deines Leibes.
                    O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria.

                Ave Maria op. 93
                    Gegrüßet seist, du, Maria, voll der Gnade,
                    der Herr ist mit dir,
                    du bist gebenedeit unter den Frauen,
                    und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.
                    Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.


               H. Balfour Gardiner (1877 – 1950)
               -Evening Hymn-
               Te lucis ante terminum
                    Bevor des Tages Licht vergeht,
                    o Herr der Welt, hör dies Gebet:
                    Behüte uns in dieser Nacht
                    durch deine große Güt und Macht.

                   Hüllt Schlaf die müden Glieder ein,
                   laß uns in dir geborgen sein
                   und mach am Morgen uns bereit
                   zum Lobe deiner Herrlichkeit.

                   Dank dir, o Vater reich an Macht,
                   der über uns voll Güte wacht  
                   und mit dem Sohn und Heilgen Geist
                   des Lebens Fülle uns verheißt. Amen.

Jehan Alain (1911 – 1940)
aus: Trois Pièces pour Grand Orgue
»Le Jardin suspendu«
»Der hängende Garten ist des Künstlers immer wieder gesuchtes, doch ungreifbares Ideal,
seine ...unantastbare Zufluchtsstätte...ein Land der Heiterkeit und des Friedens.«


»Litanies«
»Wenn die christliche Seele in ihrer Verzweiflung keine neuen Worte mehr findet,
um die Barmherzigkeit Gottes zu erflehen,
so wiederholt sie in ungestümem Glauben unaufhörlich das gleiche Bittgebet...«

              Geoffrey Burgon
              Nunc dimittis (1979)
                   Nun entlässt Du, Herr, Deinen Diener
                   gemäß Deinem Wort in Frieden,
                   weil meine Augen Dein heilbringendes
                   Licht gesehen haben zur Erleuchtung der Völker und zum Ruhme Deines Volkes Israel,
                   was Du bereitet hast vor dem Angesicht aller Völker.

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Orgel und Terzett
Vier Menschen vereint die Liebe zum Gesang.
Einen großen Teil ihrer Freizeit verbringen sie gemeinsam im Großen Chor der Singakademie Frankfurt (Oder).
Dort singen sie die große Chorsinfonik und A-cappella-Werke.
Als Terzett mit Orgel fanden sie sich erstmals zusammen, um die Sonntagsmesse für ein Geburtstagskind zu gestalten.
Dem Pfarrer gefiel die Musik so gut, dass er darum bat, die 75- Jahr-Feier der Kirchweihe der
Heilig-Geist-Gemeinde in Beeskow musikalisch zu umrahmen.
Seitdem musizierte das Ensemble in evangelischen und katholischen Kirchen der näheren Umgebung,
in denen Lutz Matthias Müller sonntags vertretungsweise den Orgeldienst übernahm.
Mit dem heutigen eigenständigen Konzert begehen sie neue Wege.

Ausführende:
Sabine Makowski -Sopran
Stephanie Müller -Sopran
Benita Schade -Sopran
Lutz Matthias Müller -Orgel, Altus

wb.gif (263 Byte) Die Eule–Orgel der Nikolaikirche zu Fürstenberg/Oder